Christlichen Bibliothek. Göttliche Komödie. Das Fegefeuer: Zehnter Gesang. Orthodoxie, Katholizismus und Protestantismus. Göttliche Komödie.
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.                Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.                Du sollst den Feiertag heiligen.                Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.                Du sollst nicht töten.                Du sollst nicht ehebrechen.                Du sollst nicht stehlen.                Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.                Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.                Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.               
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Das Fegefeuer: Zehnter Gesang
   

Inhalt: "Göttliche Komödie"


II. Abtheilung. I. Kreis. Die (noch zu) Stolzen.

Kaum war ich innerhalb der Tür der Gnade,

Die selten aufgeht durch den schlechten Hang,

Der grad erscheinen läßt die krummen Pfade,

Da hört ich, wie sie beim Verschließen klang.

Wie wards auch wohl entschuldigt, wie verziehen,

Wenn nach ihr umzuschaun mich Neugier zwang?

Wir mußten durch gespaltnen Felsen ziehen,

Der vor- und rückwärts sprang vor unsrer Bahn,

Wie Wogen sich anwälzen erst, dann fliehen.

"Jetzt gilt es", also fing mein Führer an,

"Wohl etwas Kunst, um hier und dort den Seiten,

Da, wo sie rückwärts weichen, uns zu nahn."

Wir durften drum nur Iangsam vorwärts schreiten,

Und schon war Lunas Rand dem Meer genaht,

Schon sah ich sie hinab ins Bette gleiten,

Eh wir zurückgelegt den engen Pfad;

Doch blieben wir an seinem offnen Rande,

Da, wo der Berg etwas zurücke trat,

Ich matt, und fremd wir beid in diesem Lande,

In Zweifeln stehn auf einem ebnen Ort,

Der öd war wie ein Berg in Lybiens Sande.

Von wo sein Rand ans Leere grenzt, bis dort

Zum Fuß der Felsen, die sich jenseits heben,

Ging ebner Raum drei Menschenlängen fort.

Soweit gradaus der Blicke Flügel schweben,

schien solch ein Raum zur recht und linken Hand

Den Berg, gleich einem Kranze, zu umgeben.

Wie ich dort still mit meinem Führer stand,

Erkannt ich, daß der Felsrand, uns entgegen,

Der steil sich hob, gleich einer schroffen Wand,

Von weißem Marmor war und allerwegen

Voll Bildnerei, um Polyklet zur Scham,

Ja die Natur zum Neide zu erregen.

Der mit dem Friedensfchluß, den längst in Gram

Die Welt ersehnt, aufs irdische Gefilde,

Den lang verschloßnen Himmel öffnend, kam,

Der Engel war dort eingehaun, und Milde

Und Liebe tat so wahr sein Wesen kund,

Daß niemand glaubt, es sei ein stumm Gebilde.

Man schwor, ein Ave schweb auf seinem Mund,

Denn sie war dort, durch die des Himmels Riegel

Der Höchste löst im neuen Liebesbund.

Es zeigte der Gebärde reiner Spiegel

Das Wort: Sieh Gottes Magd, so ausgeprägt,

Wie sich im Wachs ausprägt das schöne Siegel.

"Was schaust du", sprach Virgil, "so unbewegt,

Als ob nur diesem Bild dein Blick gebührte?"—

Ich ging zur Seit ihm, wo das Herz uns schlägt,

Daher sich jetzt dorthin mein Auge rührte;

Und hinter der Maria war der Stein,

Zur andern Seite dessen, der mich führte,

Geschmückt mit andern schönen Schilderein.

Drum trat ich, vor Virgil vorbeigeschritten,

Ihm näher, um zum Schaun bequem zu sein.

Der Wagen war, in Marmor eingeshnitten,

Die stierbespannte Bundeslade da,

Drob ungeheischtes Dienen Straf erlitten.

Das Volk voraus, in sieben Chören, sah

Ich jubelnd ziehn und sagt ich: Ob sie singen?

So sagt ein Sinn mir nein, der andre ja!

Sah Weihrauchduft sich in die Lüfte schwingen,

Und auch bei diesem Bilde ließen schwer

Geruch sich und Gesicht zum Einklang bringen.

Im Tanze vor der heilgen Lade her,

Sah ich erhöht in Demut den Psalmisten,

Der minder hier, als König, war, und mehr,

Und, wie erfüllt von Ränken und von Listen,

Am Fenster des Palasts mit schnödem Wort

spöttisch bewundernd sich die Michal brüsten.

Darauf bewegt ich mich von meinem Ort,

Um weiterhin ein andres Bild zu schauen,

Und sah den edlen Römerherrscher dort

Zu hohem Ruhm in Marmor eingehauen,

Ihn, der zum großen Siege den Gregor

Beseelt mit Kraft und gläubigem Vertrauen.

Trajan, den Imperator, stellt es vor,

Und eine Witw, ihm in die Zügel fallend,

Die, schmerzerfüllt, mit Flehen ihn beschwor.

Rings Reiterei gedrängt. Trompeten schallend,

—so schiens dem Aug—im goldenen Panier

Die Adler drüberhin im Winde wallend.

Die Arme schrie mit Macht, so schien es mir:

"Verweile, Herr, mir ward der Sohn erschlagen,

Du räche mich, die Rache ziemet dir."—

So warte, bis ich kehre!" Dies zu sagen

schien er, und sie darauf: "Und wenn du nun"

(Und ihre Worte schien der Schmerz zu jagen)

"Nicht wiederkehrst?"—So wirds mein Folger tun!"

"Vertraust du, was dir obliegt, fremden Armen,

Mag auch indes die Pflicht vergessen ruhn?"—

"So tröste dich," entgegnet er der Armen,

"Bevor ich ziehe, lös ich meine Pflicht,

Gerechtigkeit gebeuts, mich hält Erbarmen!"—

Sichtbar macht er die Red, er, des Gesicht

Von Ewigkeit nichts Neues noch gesehen,

Doch uns ists neu, weil uns die Kunst gebricht.

Indes ich mich ergötzte, hinzuspähen

Nach solcher Demut Bildern, deren Wert

Noch er erhöht, durch welchen sie entstehen,

Da lispelte Virgil, mir zugekehrt:

Sieh jene dort, die langsam, langsam schreiten,

Von diesen wird uns wohl der Weg gelehrt."

Ich ließ, da immer hier nach Neuigkeiten

Mein ganzes Streben war, voll Ungeduld

Nach dieser Seite hin die Blicke gleiten,

Vernimmst du, Leser, wie sich Gott die Schuld

Bezahlen läßt, nicht denke drum zu weichen

Vom guten Pfad und trau auf seine Huld.

Mag diese Qual auch der der Hölle gleichen,

Denk an die Folg—im schlimmsten Falle wird

Nur bis zum großen Spruch die Marter reichen.

Ich sprach: "Nur unklar seh ich und verwirrt,

Was dort sich naht. Sinds menschliche Gestalten,

Was unstet itzt vor meinem Auge flirrt?"—

"Kaum seh ich selbst ihr Bild sich klar entfalten,"

Entgegnet er, "weil erdwärts tiefgebückt

Vor schwerer Last sie Haupt und Schultern halten.

Sieh, was dort unter Steinen näher rückt,

Sieh scharf, und du entwirrst gequälte Schatten

Und siehst genau, was jeden niederdrückt."—

Stolze Christen, o ihr Armen, Matten!

Der Fuß schlüpft rückwärts, doch, an Geiste blind,

Glaubt ihr, vortrefflich geh eur Lauf vonstatten.

Bemerkt ihr nicht, daß wir nur Würmer sind,

Bestimmt zu jenes Schmetterlings Entfaltung,

Des Flug nie der Gerechtigkeit entrinnt.

Was tragt ihr hoch das Haupt in stolzer Haltung?

Gewürm, das öfters, wenns der Pupp entflieht,

Verkrüppelt ist zu schnöder Mißgestaltung;

Wie man zuweilen wohl Gestalten sieht,

Anstatt des Simses tragend Dach und Decken,

Gekrümmt, daß sich das Knie zum Busen zieht,

Die im Beschauer wahres Leid erwecken

Durch falschen Schmerz—so könnt ich jetzo klar

Bei schärferm Hinschaun jene dort entdecken,

Den mehr, den minder tiefgebogen zwar,

Als ob die Last hier mehr, dort minder wiege,

Doch der auch, der am meisten duldsam war,

Schien tränenvoll zu sagen: Ich erliege!


Inhalt: "Göttliche Komödie"

Download: "Göttliche Komödie"

Quelle: http://www.gutenberg.org/cache/epub/8085/pg8085.txt

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