Christlichen Bibliothek. Göttliche Komödie. Das Paradies: Neunundzwanzigster Gesang. Orthodoxie, Katholizismus und Protestantismus. Göttliche Komödie.
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Das Paradies: Neunundzwanzigster Gesang
   

Inhalt: "Göttliche Komödie"


9. Im Krystallhimmel, Schluß. – Fortsetzung und Ende der Belehrung: Engelschöpfung, Engelfall, gute Engel, Zahl der Engel. – Strafrede über falsche Philosophie, Verdrehung der heil. Schrift, unevangelische Predigt, Ablaß und Volksverdummung.

So lang, wenn beide Kinder der Latone

Bedeckt von Wag und Widder stehn, am Rand

Des Horizonts, vereint in einer Zone,

Die Wage des Zenit in gleichem Stand

Sie beide zeigt, bis dann vom Gleichgewichte,

Den Halbkreis tauschend, sie sich abgewandt:

So lang, des Lächelns Glut im Angesichte,

Sah schweigend fest den Punkt Beatrix an,

Der meinen Blick besiegt mit seinem Lichte.

"Ich red und frage nicht," so sprach sie dann,

"Da, was du hören willst, ich dort erkenne

Im Punkt, wo anhebt jedes Wo und Wann.

Nicht daß er—was nicht sein kann—selbst gewönne,

Nein, daß der Glanz von seiner Herrlichkeit

Im Widerglanz ich bin verkünden könne,

Hat er, der Ewge, außerhalb der Zeit

Und des Begriffs, wies ihm gefiel, die Gluten

Erschaffner Lieb an ewiger geweiht.

Nicht daß, wie starr, erst seine Kräfte ruhten;

Denn früher nicht und später nicht ergoß

Der Geist des Herrn sich, schwebend ob den Fluten.

Auch Form und Stoff, vermischt und rein, entsproß

Zugleich, vortretend herrlich und vollkommen,

Drei Pfeile von dreisehnigem Geschoß.

Und wie im Widerschein des Strahls, vom Kommen

Zum vollen sein, kein Zwischenraum zu sehn,

Wenn rein Kristall im Sonnenglanz entglommen;

So ließ der Herr hervor drei Strahlen gehn,

All im vollkommnen Glanz zugleich gesendet,

Und sonder Unterscheidung im Entstehn.

Der Wesen Ordnung ward zugleich vollendet,

Und hoch am Gipfel wurden die gereiht,

Welchen er reine Tätigkeit gespendet.

Die Tiefe ward reiner Empfänglichkeit,

Empfänglichkeit und Tatkraft ist mittinnen,

Verknüpft und nie von diesem Band befreit.

Zwar Hieronymus läßt vom Beginnen

Die Engel bis von dem der andern Welt

Den Zeitraum von Jahrhunderten entrinnen;

Doch läßt die Wahrheit, die ich dargestellt,

Sich vielfach aus der Heilgen Schrift bewähren,

Wies dir auch, wenn du wohl bemerkst, erhellt.

Auch die Vernunft kann dies beinah erklären;

Nicht konnten ja so lang, so folgert sie,

Die Lenker des, was lenkbar ist, entbehren.

Der Liebesschöpfung Wo und Wann und Wie

Erkennst du—nun, so daß in dem Gehörten

Dir schon dreifache Labung angedieh.

Allein bevor man zwanzig zählt empörten

Die Engel sich zum Teil, so daß sie nun

Im Fall der Elemente trägstes störten.

Die Bleibenden begannen drauf das Tun,

Das du erkennst, so selig in Entzücken,

Daß sie in ihrem Kreislauf nimmer ruhn.

Grund war des Falls, daß jener sich berücken

Von frevlem Hochmut ließ, der dir erschien,

Dort, wo auf ihn des Weltalls Bürden drücken—

Die du bei Gott hier siehest, sahn auf ihn

Bescheiden und mit Dank für seine Gaben,

Da er nur Kraft zu solchem Schaun verliehn.

Drum wurden sie zum Schauen so erhaben

Durch Gnadenlicht und ihr Verdienst gestellt,

Daß sie vollkommen festen Willen haben.

Und zweifelfrei verkünd es einst der Welt:

Verdienstlich ists, die Gnade zu empfangen,

Je wie sich offen ihr die Lieb erhält.

Jetzt, wenn ins Herz dir meine Lehren drangen,

Errennst du ganz den englischen Verein

Und brauchst nicht andre Hilfe zu verlangen.

Doch weil den Engeln jene, die ihr Sein

Auf Erden dort in Schulen euch erklären,

Verstand, Erinnerung und Willen leihn,

So zeig ich, um dich völlig zu belehren,

Dir noch die Wahrheit rein und unbefleckt,

Die jene dort verwirren und verkehren.

Die Wesen, die des Anschauns Lust geschmeckt,

Verwenden nie den Blick vom ewgen Schimmer

Des Angesichts, in dem sich nichts versteckt.

Drum unterbricht das Neu ihr Schauen nimmer,

Drum brauchen sie auch die Erinnrung nicht,

Denn ungeteilt bleibt ja ihr Denken immer.

So träumt ihr unten wach beim Tageslicht;

Ihr glaubt und glaubt auch nicht, was ihr verbreitet,

Doch ärger kränkt dies Letzte Recht und Pflicht.

Der eine Weg ists nicht, auf dem ihr schreitet

Bei eurem Forschen; drob ihr irregeht,

Von Lust am Schein und Eitelkeit verleitet.

Doch, wer dies tut, wird minder hier verschmäht,

Als wer die Heilgen Schriften leeren Possen

Hintansetzt und sie freventlich verdreht.

Nicht denkt man, wieviel teures Blut geflossen,

Sie auszusähn; nicht, wie Gott dem geneigt,

Der demutsvoll an sie sich angeschlossen.

Zu glänzen strebt ein jeder itzt und zeigt

Sich in Erfindungen, die der verkehrte

Pfaff predigt, der vom Evangelium schweigt.

Der sagt, daß rückwärts Lunas Lauf sich kehrte

Bei Christi Leiden und sich zwischenschob

Und drum der Sonn herabzuscheinen wehrte.

Der, daß von selbst das Licht erlosch und drob

Den Spanier, den Juden und den Inder

Zu gleicher Zeit die Finsternis umwob.

Lapi und Bindi hat Florenz weit minder,

Als Fabeln, die man von den Kanzeln schreit

Das Jahr hindurch, des Aberwitzes Kinder,

So daß die Schäflein, blind zu ihrem Leid,

Wind schlucken, wo sie sich zu weiden meinen.

Und nicht entschuldigt sie Unwissenheit.

Nicht sprach der Herr zur Ersten der Gemeinen:

Geht hin und tut der Erde Possen kund!—

Nein, wahre Lehre spendet er den Seinen.

Von ihr ertönt im Kampf des Jüngers Mund,

Wenn er, die Welt zum Glauben hinzulenken,

Mit Schild und Speer des Evangeliums stund.

Jetzt predigt man von Possen und von Schwänken,

Und die Kapuze schwillt, wenn alles lacht,

Und, der sie trägt, braucht sonst an nichts zu denken.

Drin hat solch Vögelein sein Nest gemacht,

Daß, säh mans, es den Wert dem Ablaß raubte,

Den man beim Volk so hoch in Preis gebracht.

Drob wuchs die Dummheit so in manchem Haupte,

Daß, möcht ein Priesterwort das tollste sein,

Man ohne Prüfung und Beweise glaubte.

Und damit mästet Sankt Anton das Schwein,

Und andre, die noch ärger sind denn Sauen,

Falschmünzer, reich an trügerischem Schein.

Doch seitwärts führt ich dich von diesen Auen;

Drum, daß zugleich sich kürze Zeit und Pfad,

Mußt du jetzt wieder grade vorwärts schauen—

So sehr vervielfacht sind von Grad zu Grad

Der unzählbaren selgen Engel Scharen,

Daß ihrer Zahl nicht Sinn noch Sprache naht.

Und Daniel will, dies kannst du wohl gewahren,

Wenn er zehntausendmal zehntausend spricht,

Uns nicht bestimmte Zahlen offenbaren.

Das ihnen allen strahlt, das erste Licht,

So vielfach wirds von ihnen aufgenommen,

Als Engel schaun in Gottes Angesicht.

Drum, da vom Schaun der Liebe Gluten kommen,

Ist auch verschieden ihre Süßigkeit

Hier lauer, dorten glühender entglommen.

Sieh jetzt die Hoheit, die Unendlichkeit

Der ewgen Kraft, die, teilend ihren Schimmer,

So unzählbaren Spiegeln ihn verleiht,

Und ein in sich bleibt ewiglich und immer."


Inhalt: "Göttliche Komödie"

Download: "Göttliche Komödie"

Quelle: http://www.gutenberg.org/cache/epub/8085/pg8085.txt

Read also in English: The Divine Comedy

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