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Ein Zeichen für die Ungläubigen
   

By ks. Mieczysław Piotrowski TChr,
Liebt einander! 2/2009 → Katholische Kirche



In dem spanischen Städtchen Calanda, 118 km von Saragossa in Spanien entfernt, ereignete sich das „el milagro de los milagros“ – d.h. „das Wunder aller Wunder“. Der 23 jährige Miguel Juan Pellicer erlangte auf wunderbare Weise das amputierte rechte Bein wieder. Die Früchte der viele Jahre dauernden Suche nach den historischen Dokumenten, die dieses ungewöhnliche Ereignis betreffen, wurden in einem von dem berühmten italienischen Schriftsteller und Journalisten Vittorio Messori geschriebenen Buch mit dem Titel „Il Miracolo“ (Das Wunder) veröffentlicht.

Am 29. März im Jahre 1640 abends, zwischen 22°°Uhr und 22.30 Uhr, erlangte Miguel Juan Pellicer, als er sich Zuhause in Calanda zum Schlafen niedergelegt hatte, auf wunderbare Weise sein rechtes Bein wieder, das ihm 29 Monate vorher im öffentlichen Krankenhaus von Saragossa amputiert worden war. Der so wunderbar Geheilte war ein eifriger Verehrer der Muttergottes von Pilar und schrieb ihrer Fürsprache auch seine Heilung zu. So klingt die Kurzfassung der sensationellen Nachricht über das marianische Wunder, welches die Bewohner Calandas als „el milagro de los milagros“ (das Wunder aller Wunder) bezeichnen. Der weltberühmte Schriftsteller und Journalist Vittorio Messori untersuchte viele Jahre lang die in verschiedenen Archiven erhaltenen Dokumente, die dieses Wunder beschreiben, und stellte fest, dass es vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen sicher ist, dass die erhaltene Dokumentation eine historische Tatsache beschreibt. Es wird darin von der „Wiedererlangung“ eines amputierten Beines berichtet – einem einmaligen Ereignis, dessen Existenz nicht geleugnet werden kann. Die Einzelheiten dieser Begebenheiten konnten nur deshalb so präzise wiedergegeben werden, da drei Tage nach dem Wunder Zeugenaussagen unter Eid geleistet und im notariellen Protokoll niedergeschrieben wurden. Des Weiteren existieren Akten des kanonischen Prozesses, der 68 Tage nach den Ereignissen eröffnet worden war.

Der Unfall und die Amputation

Aus den Pfarrbüchern von Calanda erfahren wir, dass Miguel Juan Pellicer am 25.03.1617 als zweites von acht Kindern der Eheleute Maria Blasco und Miguel Pellicer Maja geboren wurde. Seine Eltern waren arme Bauern, die sehr schlicht waren, aber einen sehr tiefen Glauben besaßen. Miguel Juan wuchs in einer Atmosphäre authentischer Religiosität auf: Er betete jeden Tag aufrichtig, empfing regelmäßig die Sakramente der Beichte und Eucharistie und war ein eifriger Verehrer der Muttergottes. Im Jahre 1637, als er 20 Jahre alt geworden war, verließ Miguel sein Zuhause, um sich eine Arbeit zu suchen. Er fand sie bei seinem Onkel Jamie Blasco, der in der Nähe von Castellon wohnte. Nach einigen Monaten Aufenthalt hatte Miguel im Juli des Jahres 1637 einen schlimmen Unfall, als er mit einem von zwei Ochsen gezogenen Wagen voll Korn unterwegs war. Höchstwahrscheinlich war Miguel während der Fahrt eingeschlafen und so unglücklich vom Ochsen auf die Erde gefallen, dass ein Wagenrad sein rechtes Bein überrollte und dabei den Schienbeinknochen zerdrückte. Man brachte ihn sofort in das Krankenhaus in Valencia (In dessen Archiven bis heute das Datum seiner Einlieferung eingezeichnet ist: 03.08.1637, montags).

Der Aufenthalt im Krankenhaus brachte keinen Erfolg, doch Miguel glaubte tief daran, dass ihm die Ärzte aus dem 300 km entfernten Saragossa, in dem sich das Königliche Krankenhaus Unserer Gnadenreichen Frau befand, würden helfen können. Nach vielen Bitten erhielt er endlich die Erlaubnis zur Verlegung. Trotz schrecklicher Schmerzen im zerschmetterten Bein und der großen Sommerhitze legte Miguel die 300 km nach Saragossa in 50 Tagen zurück. Anfang Oktober 1637 erreichte er vollkommen erschöpft und mit hohem Fieber sein Ziel. Zunächst begab er sich in das Heiligtum von Pilar, wo er beichtete und die Heilige Kommunion empfing.

Im Krankenhaus von Saragossa diagnostizierten die Ärzte weit fortgeschrittenen Wundbrand im gebrochenen Bein. Um das Leben des Patienten zu retten, war es notwendig, das Bein sofort zu amputieren. Die Entscheidung, das geschwollene und von Wundbrand schon ganz schwarz gewordene Bein abzunehmen, fällte der Vorsitzende des Ärztekonsiliums, der in ganz Aragonien bekannte Professor Juan de Estanga zusammen mit den Chirurgen Diego Millarue und Miguel Beltran. Dieselben Ärzte führten die Amputation auch durch, und zwar „auf der Höhe von vier Fingern unterhalb des Knies“. Sie benutzen eine Säge und ein Skalpell. Zur Betäubung wurde dem Patienten Alkohol verabreicht, denn man kannte damals keine anderen Betäubungsmittel. Während der Operation rief der junge Mann fortwährend die Muttergottes um Hilfe an.

Nach der Amputation kauterisierten die Ärzte den Stumpf mithilfe eines glühenden Eisens. Das abgeschnittene Bein übergaben sie einem bei der Operation assistierenden, jungen Praktikanten, Juan Lorenzo Garcia, der das Bein zusammen mit einem Kollegen auf dem Friedhof, an einer gekennzeichneten Stelle, in einem tiefen, 21 cm langen Loch vergrub (Sogar solche Einzelheiten finden sich in der Prozess-Dokumentation). In der damaligen Zeit wurde der menschliche Körper mit solch einer Achtung behandelt, dass alle seine Teile auf dem Friedhof beerdigt wurden. Bevor die Wunde nach der Amputation geheilt war, musste Miguel noch einige Monate im Krankenhaus verbringen. Im Frühjahr des Jahres 1638 wurde er aus demselben entlassen; er erhielt eine Holzprothese und Krücken.

Der 23 Jahre zählende junge Mann war nicht in der Lage, sich ohne Bein selber ernähren zu können und bekam deshalb eine offizielle Erlaubnis zum Almosensammeln vor dem Eingang der Basilika del Pilar in Saragossa, was für ihn nichts anderes bedeutete, als dass er zum Bettler wurde. Die Einwohner Saragossas hatten den Brauch, mindestens einmal täglich das Heiligtum aufzusuchen. Der Anblick des bettelnden Jünglings ohne Bein erweckte allgemeines Mitleid. Man gewöhnte sich an ihn und gewann ihn lieb, vor allem auch deshalb, weil er jeden Tag morgens, bevor er sich zum Betteln begab, am Gottesdienst in der Heiligen Kapelle, in der sich auf der Kolumne El Pilar die wunderbare Figur der Muttergottes befand, teilnahm. Miguel bat auch täglich die Küster des Heiligtums um etwas Öl aus den brennenden Lampen, um seinen Beinstumpf und die nicht völlig geheilte Amputationswunde einzureiben. Wenn er Geld hatte, ging Miguel in die nahegelegene Gaststätte De las Tablas, um dort zu übernachten. (Der Eigentümer der Gaststätte, Juan de Mazasa und seine Ehefrau Catalina Xavierre waren ebenfalls Zeugen im kanonischen Prozess, um festzustellen, ob es sich bei Pellicer nach der wunderbaren Erlangung des abgenommenen Beines um denselben Menschen handelte, der sie aufsuchte, um in ihrer Gaststätte zu übernachten, und dem das rechte Bein fehlte.) Miguel Juan Pellicer schlief auch in der Säulenhalle des Krankenhauses, wo man ihn gut kannte und wo er gern durch die Mitarbeiter des Krankenhauses aufgenommen wurde.

Anfang März 1640 entschloss sich Miguel, zurück nach Calanda zu seinen Eltern zu gehen. Die Heimreise (um die 118 km) dauerte fast 7 Tage. Die ganze Zeit über drückte das Holzbein auf den Stumpf und verursachte große Schmerzen. Zuhause wurde der junge Mann mit großer Freude aufgenommen. Aufgrund seiner Behinderung war Miguel nicht in der Lage, seinen Eltern bei der Feldarbeit zu helfen. So beschloss er, in den umliegenden Dörfern Almosen zu sammeln. In der damaligen Zeit war das Betteln für einen verkrüppelten Menschen keine Erniedrigung, sondern eine Pflicht, die den anderen Menschen die Möglichkeit zu Werken der Barmherzigkeit und Nächstenliebe gab. So sammelte also Miguel Almosen, indem er auf einem Esel in die Dörfer um Calanda ritt. Er zeigte vielen Menschen seinen Beinstumpf, um ihr Mitleid zu erwecken. Auf diese Art und Weise wurden Tausende von Menschen zu Zeugen seiner Behinderung und später auch zu Zeugen des Wunders.

Das erschütternde Wunder

Am Donnerstag, den 29. März 1640, ging Miguel nicht zum Almosensammeln, sondern blieb Zuhause, um seinem Vater beim Befüllen der Körbe mit Dünger zu helfen, die der Esel später auf die Felder trug, um diese zu düngen. Nach dem ganzen Tag Arbeit kehrte Miguel sehr erschöpft vom Feld nach Hause zurück. Beim Abendessen sahen alle Anwesenden seinen Beinstumpf mit der nicht verdeckten, geheilten Wunde. Einige von den Gästen berührten diese sogar.

Am selben Abend übernachtete in Calanda eine Abteilung der Kavallerie. Familie Pellicer bekam einen amtlichen Befehl, einen der Soldaten bei sich aufzunehmen. Aus Platzmangel war Miguel gezwungen, dem Soldaten sein Bett zu überlassen und sich auf eine Matratze im Zimmer seiner Eltern schlafen zu legen. Als Bettdecke bekam er von seinem Vater einen Mantel, der jedoch so kurz war, dass er nicht einmal seinen einzigen Fuß bedeckte. Nach dem Abendessen, es war gegen 22°° Uhr, verabschiedete sich der junge Mann von seinen Eltern und den versammelten Gästen, ließ in der Küche sein Holzbein sowie die Krücken zurück, und begab sich zum Schlafen, indem er auf seinem verbliebenen Bein sprang. Nach dem Abendgebet und einem Vertrauensakt an die Muttergottes fiel er schnell in einen tiefen Schlaf.

Als die Mutter in das Zimmer kam, in dem ihr verkrüppelter Sohn schlief – es war zwischen 22.30 Uhr und 23.00 Uhr abends – vernahm sie einen „wunderbaren, himmlischen Duft“. Die Frau erhob ihre Öllampe in die Höhe und bemerkte, dass unter dem Mantel, mit dem ihr Sohn bedeckt war, nicht ein Fuß, sondern zwei aufeinandergelegte Füße hervorschauten. Ungläubig näherte sie sich dem Bett – und da war sie sich schon ganz sicher, dass ihre Augen ihr keinen Streich gespielt hatten. Schockiert rief sie ihren Mann, der sofort den Mantel emporhob. Den Pellicers bot sich der unglaubliche Anblick ihres schlafenden Sohnes mit beiden gesunden Beinen dar. In einem einzigen Augenblick wurde ihnen klar, dass sich ein ungeheures Wunder ereignet hat: Ihr Sohn hatte sein amputiertes rechtes Bein wiederbekommen. Im Bewusstsein des ungeheuren Geheimnisses, welches sich ereignet hatte, fingen sie an zu schreien und schüttelten ihren Sohn, um ihn aufzuwecken. Erst nach längerer Zeit wachte Miguel auf. Die erschütterten Eltern sagten zu ihm: „Schau, dein Bein ist nachgewachsen!“ Man kann sich vorstellen, wie erstaunt und erfreut Miguel war, als er sah und fühlte, dass er tatsächlich beide Beine besaß und kein Krüppel mehr war. In der Zwischenzeit hatten sich alle Hausinsassen versammelt und bestaunten das wiedererlangte Bein Miguels. Er selber konnte sich überhaupt nicht erklären, wie es dazu gekommen war. Er erinnerte sich nur daran, dass er, als er schlief, träumte, wie er seinen Beinstumpf mit dem Öl aus der Lampe in der Heiligen Kapelle der Muttergottes aus Pilar einreibe. Er war sich sicher, dass Jesus Christus dieses Wunder auf die Fürsprache Seiner und unserer Mutter Maria hin bewirkt hat.

Als Miguel die erste Aufregung hinter sich hatte, fing er an, sein neues Bein zu berühren, es zu bewegen, um festzustellen, ob es wirklich echt war. Im Schein der Öllampen betrachteten alle Versammelten sein so wunderbar wiedererlangtes Bein. Auf dem Bein war eine lange Narbe sichtbar, die von dem Schienbeinbruch während des Unfalls herrührte, sowie drei kleinere Narben: eine von einem Hundebiss in der Kindheit, eine zweite von der Entfernung eines Furunkels und eine dritte von einem Dornenstrauch. Diese Narben wiesen eindeutig daraufhin, dass es sich um dasselbe Bein handelte, das zwei Jahre und fünf Monate davor amputiert und auf dem Friedhof vergraben worden war. Es ist ein Exemplar der örtlichen Zeitung Aviso Historico vom 04.06.1640 erhalten, die davon berichtet, dass Untersuchungen auf dem Krankenhaus-Friedhof in Saragossa durchgeführt worden waren und man keine Spur mehr von dem dort vergrabenen Bein an der angegebenen Stelle gefunden hat.

Die Kunde von dem ungewöhnlichen Ereignis verbreitete sich sehr schnell in der ganzen Gegend. Die Menschen, die sich im armen Haus der Familie Pellicer versammelten, beteten laut und dankten der Muttergottes und Jesus für das große Wunder. Alle Versammelten spürten einen wunderbaren, „himmlischen“ Duft, der sich mehrere Tage lang im Zimmer hielt. Am Morgen des nächsten Tages kam der Pfarrer Herrero zusammen mit dem Bürgermeister und hohen örtlichen Amtsträgern. Es kamen auch zwei Chirurgen, die längere Zeit über das Bein Miguels begutachteten. Sie alle wollten amtlich und „wissenschaftlich“ belegen, dass alles mit rechten Dingen zugeht und wahr ist. Schon am 30. März, also einen Tag nach dem Wunder, verfasste der Richter der ersten Instanz, Martin Corellano, der für die öffentliche Ordnung in Calanda zuständig war, ein erstes offizielles Dokument über das außergewöhnliche Ereignis. 70 Stunden nach dem Wunder wurde im Hause Pellicer durch die kirchlichen und weltlichen Würdenträger sowie durch einen Arzt ein notarieller Akt erlassen, der von einem Notar niedergeschrieben wurde, und der eine „göttliche Intervention“ feststellte. Der geheilte Jüngling wurde in einer Prozession in die örtliche Kirche geführt, wo sich alle Einwohner Calandas versammelt hatten, die sahen, wie Miguel auf zwei Beinen ging, obwohl er einen Tag zuvor nur eines hatte. In der Kirche begab sich Miguel zunächst zum Beichtstuhl und nahm dann gemeinsam mit den Einwohnern Calandas an einem festlichen Dank-Gottesdienst teil.

Das abgeschnittene Bein, welches nach einer zweijährigen Verweildauer in der Erde vollkommen verfault war, wurde durch die Intervention Gottes wiederbelebt und mit dem Rest des Körpers vereint. Dies ist mit Sicherheit ein uns von Christus gegebenes Zeichen und die Ankündigung der Auferstehung unserer Leiber am Jüngsten Tag. Der Schöpfer respektierte die Naturgesetze und es dauerte deshalb einige Monate, bis Miguel die physischen und motorischen Fähigkeiten vollkommen wiedererlangte.

Am 25. April 1640 begab sich Miguel zusammen mit seinen Eltern auf eine Wallfahrt zum Heiligtum nach Saragossa, um der Muttergottes für das Wunder seines Beines zu danken. Alle Einwohner Saragossas erinnerten sich noch genau an den bettelnden jungen Mann mit nur einem Bein. Wir können uns deshalb vorstellen, wie groß ihr Erstaunen gewesen sein muss, als sie sahen, dass Miguel kein Krüppel mehr war und zwei gesunde Beine besaß. Einen wahren Schock erlebte jedoch Professor Estanga, der Chirurg, der Miguel das Bein amputiert hatte und der zwei Jahre lang seine Wunde verband. Nun konnte er mit eigenen Augen sehen, dass der Teil des Beines, den er amputiert hatte, wieder lebendig war und normal funktionierte, was aus medizinischer Sicht ganz unerklärbar war. Einen ähnlichen Schock erlebten die beiden assistierenden Ärzte sowie das ganze medizinische Personal, das Miguel kannte.

Die öffentliche Anerkennung des „milagro de los milagros“

Beachtenswert ist die Tatsache, dass am 08. Mai 1640 die staatlichen Behörden Saragossas einen Prozess anberaumten, um alle mit dem Wunder aus Calanda, dem „milagro de los milagros“, zusammenhängenden Umstände zu untersuchen. Der Stadtrat bestimmte zwei bekannte Professoren zu seinen Vertretern sowie den Generalstaatsanwalt des Königs. Es war ein öffentlicher Prozess und fand unter Beachtung aller amtlichen Vorschriften statt. Der zeitgenössische Geschichtsschreiber Leonardo Aina Naval, der viele Jahre hindurch die Akten des Prozesses studierte, stellte fest, dass dieser Prozess das Muster an Ernsthaftigkeit, Präzision und Rechtsdisziplin gewesen war. Wir haben es hier also mit höchst glaubwürdigen Dokumenten zu tun. Während des ganzen Prozesses waren zehn Mitglieder des Richterkollegiums anwesend. Bei allen Zeugenanhörungen, es waren 24 Zeugen unter den Einwohnern von Saragossa, von Calanda und unter den Einwohnern der umliegenden Dörfer ausgewählt worden, assistierte der Erzbischof Pedro Apaolaza mit zehn weiteren Theologen und Anwälten. Die Zeugen wurden in 5 Gruppen eingeteilt: 1. Ärzte und Pflegepersonal; 2. Angehörige und Nachbarn; 3. Lokale Behörden; 4. Priester; 5. Sonstige. Jeder der verhörten Personen wurde Miguel mit bis zu den Knien entblößten Beinen gezeigt. Aus den Prozessakten geht hervor, dass die Tatsache der wunderbaren Wiedererlangung des Beines so klar und sicher war, dass es keine einzige Stimme des Widerspruchs oder Zweifels gab. Nach 11 monatiger Arbeit des Richterkollegiums erließ der Erzbischof von Saragossa am 27. April 1641 ein Dekret, in dem er feststellt, dass die Wiedererlangung des amputierten Beines bei Miguel Juan Pellicer nur dank des wunderbaren Eingreifens Gottes möglich war. Dies ist zweifellos eines der erschütterndsten Wunder in der Geschichte der Menschheit, welches alle Einwohner von Saragossa, Calanda und Umgebung bestätigten.

Die erste Broschüre über das Wunder, die ein Imprimatur erhielt und König Karl IV. gewidmet war, war eine Zusammenfassung des Prozesses in kastilischer Sprache und erschien im Jahre 1641. Geschrieben hatte sie der Karmelit Jeronimo de San Jose. Ein Jahr später erschien eine weitere Broschüre über das Wunder, diesmal war ein deutscher Arzt, Peter Neurath, Verfasser derselben. In dieser Veröffentlichung schrieb der Jesuit P. Jeronimo Briza neben dem „nihli obstat“ Folgendes nieder: „Auf die Anweisung des ehrwürdigen Gabriel de Aldamy, des Vizekönigs aus Madrid, habe ich das Buch Doktor Neuraths über das Wunder der Allerheiligsten Jungfrau aus Pilar untersucht. Es handelt sich um ein Wunder, welches so im Verlauf der Jahrhunderte noch nie gehört oder gesehen worden ist, dessen Wahrhaftigkeit ich aber selber erfahren habe, denn ich hatte den Jüngling zuerst ohne Bein kennengelernt, als er an der Pforte des Heiligtums in Saragossa um Almosen bat. Später sah ich ihn in Madrid bei einer Audienz beim König, unserem Herrn, mit beiden Beinen; und ich sah, wie er ging. Ich sah die Narbe, die die Allerheiligste Jungfrau an der Amputationsstelle zurückgelassen hatte, als sicheres Zeichen dafür, dass das Bein abgenommen worden war; und nicht nur ich sah sie, sondern auch alle Jesuiten-Padres aus dem königlichen Kollegium in Madrid. Ich lernte auch die Eltern des Geheilten kennen sowie den Chirurgen, der die Amputation vorgenommen hatte.“

Die armselige Schlafstube, in dem sich das Wunder ereignet hatte, wurde sofort in eine Kapelle umgestaltet und im Verlauf der Zeit wurde an der Stelle des Hauses der Familie Pellicer eine große Kirche mit einem riesigen Glockenturm erbaut. Es war eine Initiative der Einwohner von Calanda, die so ihre Dankbarkeit Gott und der heiligsten Muttergottes gegenüber zum Ausdruck bringen wollten. Bis zum heutigen Tag begehen die Einwohner Calandas den 29. März als einen Festtag, der an das wunderbare Ereignis aus dem Jahre 1640 erinnert. Der Apostolische Stuhl hat für diesen Tag eigens ein besonderes liturgisches Festformular mit Ablässen herausgegeben.

Das Treffen mit dem König

Das Wunder von der Wiedererlangung des amputierten Beines wurde zu einer dermaßen in ganz Spanien bekannten Tatsache, dass man auch König Philip IV. darüber informierte. Nach Beendigung des Prozesses und der öffentlichen Verlautbarung über die Echtheit des Wunders lud der spanische Herrscher Miguel im Oktober 1641 zu einer Audienz ein. Bei dieser Audienz war der ganze diplomatische Korps anwesend, darunter auch Lord Hopton, der Botschafter Englands. Er war es, der dem englischen König Charles einen genauen Bericht über diese Audienz erstattete. Der Inhalt dieses Berichts ist bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben. König Charles, der zugleich Haupt der anglikanischen Kirche war, war dermaßen von der Echtheit dieses Wunders überzeugt, dass er seine Glaubwürdigkeit vor den empörten anglikanischen Theologen verteidigte. Aufgrund des genauen Berichts von Lord Hopton und aus anderen Zeugnissen wissen wir genau, was während dieser Audienz bei König Philip IV. passierte. Der geheilte Miguel wurde von dem ersten Notar Aragoniens sowie von dem höchsten Erzdiakon des Bischofskapitels begleitet. Jeder von ihnen erstattete dem König der Reihe nach einen Bericht über das Wunder.

Nachdem er alles angehört hatte, war Philip IV. zu Tränen gerührt und sagte, dass es bei so offensichtlichen Tatsachen keinen Sinn mehr macht, zu spekulieren oder zu diskutieren. Man soll vielmehr das Ganze in Freude annehmen und das Geheimnis ehren. Danach erhob er sich vom Thron, ging zu dem Geheilten und kniete vor ihm nieder. Er ließ Miguel sein Bein entblößen und küsste dieses an der Stelle, an der es abgeschnitten worden und später auf wunderbare Weise wieder angebracht worden war. Es war eine rührende Ehrerweisung, die der Herrscher eines weltlichen Imperiums kniend seinem Untergebenen – einem Bettler und Analphabeten – erwies.

Die in letzter Zeit in dem Archiv von Saragossa aufgefundenen Dokumente berichten davon, dass Miguel Pellicer nach seiner Heilung eine Arbeit im Heiligtum del Pilar als Helfer des Organisten bekam. Er war auch verantwortlich für das Anzünden der Öllampen in der Heiligen Kapelle. Im Buch der Zahlungen existiert eine Anmerkung über das Datum seines Todes – Miguel ging heim zum Herrn am Festtag der Muttergottes del Pilar; es war der 12.10.1654.

Schlussfolgerungen

„Derjenige, der die Wahrheit über das, was sich in Calanda an diesem Märzabend in der Karwoche des Jahres 1640 ereignet hat, verwirft“, schreibt Vittorio Messori, „müsste folglich an der ganzen Geschichte der Menschheit zweifeln, ebenso an den sichersten Tatsachen, die genau bestätigt worden sind. (…)>>Der Fall Pellicer<< trägt die Eigenschaften eines Ereignisses, welches jeder Forscher als >>sicher bestätigt<<, als >>sicher historisch festgestellt<< akzeptieren kann und muss, außer er verzichtet auf die Objektivität seines Berufes aufgrund eines Vorurteiles oder einer Ideologie. In den Worten, die der Erzbischof von Saragossa bei der Urteilsverkündigung benutzte, erscheint die Tatsache des Wunders gleichermaßen einfach wie erschütternd: >>(…) wie es bereits im Prozess anerkannt worden ist, wurde der erwähnte Miguel Juan zuerst ohne Bein gesehen und danach mit Bein; deshalb ist es unverständlich wie man da noch irgendwelche Zweifel hegen kann.<< Das ist alles“.

Die sofortige Wiedererlangung des amputierten Beines durch Miguel Juan Pellicer war eine spektakuläre Manifestation des göttlichen Wirkens, ein geschichtlich unerhörtes Wunder. Dieses Ereignis ist mit aller Sicherheit ein Zeichen, welches die Haltlosigkeit der Feststellung vonseiten der Atheisten aufzeigt, die behaupten, dass noch niemals jemandem ein Bein oder ein Arm nachgewachsen sei.

Es ist mit Sicherheit ein Wunder, das nicht geleugnet werden kann, genauso eines, wie es Voltaire und andere Atheisten gefordert hatten, d.h. ein amtlich durch einen Notar sogleich nach seinem Auftreten bestätigtes Wunder, untermauert durch Zeugenaussagen von Menschen mit entsprechenden Qualifikationen. Ernest Renan, der Agnostiker und großer Feind des Christentums war, schrieb, dass es nur eines glaubwürdigen Wunders bedürfte, um den Atheismus zu bekämpfen. Leider war er sich in seiner Ignoranz sicher, dass es in der Geschichte niemals ein solches Wunder gegeben hatte.

Das Wunder aus Calanda sagt uns, dass für Gott nichts unmöglich ist. Dieses Ereignis weist auf die Wirkungsweise der göttlichen Person Jesus Christus und auf den Dreieinigen Gott, den Er uns offenbarte, hin und nicht auf einen nicht näher definierten Gott. Dieses Wunder ist zugleich die göttliche Bestätigung für die Lehre der katholischen Kirche, die Sakramente, die Tradition und die Verehrung der Unbefleckten Jungfrau Maria, deren Fürbittmacht dieses Wunder verdeutlicht.

„Maria hat dort etwas vollbracht, was sie keinem anderen Volk getan hat“ – so singen bis auf den heutigen Tag die Gläubigen jedes Jahr am Festtag des Wunders Milagro in Calanda und Saragossa.

Das Wunder von Calanda ist auch ein Zeichen, welches uns zur Bekehrung und zum Glauben an die Auferstehung unserer Leiber aufruft. Das Bein, welches durch den Wundbrand bereits faulte und deshalb amputiert und auf dem Friedhof vergraben werden musste, kehrte durch eine besondere Intervention Gottes nach 29 Monaten ins Leben zurück. Diese wunderbare und einzigartige Tatsache deutet auf die Wahrhaftigkeit unseres Glaubens an die Auferstehung hin – dass nämlich dasselbe mit den Leibern aller Menschen am Tag des Letzten Gerichts passieren wird.

P. M. Piotrowski

Quellen: Tomas Domingo Pérez: El milagrode Calanda. Y sus fuentes historicas. Edita: Caja Inmaculada, 2007 André Deroo: L'homme a lŕ jambe coupée, 1959. Vittorio Messori: Il Miracolo. 

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Published - November 2010


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