Christian Artikel - Liebt einander Christentum - Liebt einander
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.                Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.                Du sollst den Feiertag heiligen.                Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.                Du sollst nicht töten.                Du sollst nicht ehebrechen.                Du sollst nicht stehlen.                Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.                Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.                Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.               
Deutsch VersionChristlichen Portal

Christian Resources

Vote!

 
Der heilige Jean-Marie Vianney (1786 – 1859) - 2/2010
   

Autor: ks. Mieczysław Piotrowski TChr,
Liebt einander! 2/2010 → Katholische Kirche



Am 4. August 2009 feierten wir den 150. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars – Jean-Marie Vianney. Die Früchte seiner seelsorgerischen Tätigkeit waren erstaunlich. Schon zu Lebzeiten des heiligen Pfarrers wurde die kleine Gemeinde von Ars zum Pilgerziel vieler Hunderttausend Menschen aus ganz Frankreich und Europa.

Die ganze seelsorgerische Arbeit des Pfarrers von Ars konzentrierte sich auf die Eucharistie, die Katechese und das Beichtsakrament. Durch sein Leben, seine Verbreitung der Glaubenswahrheiten, durch seine Art und Weise, die Eucharistie zu feiern und die Beichte zu hören, zeigte Pfarrer Vianney auf den größten Schatz hin – die Person des auferstandenen Jesus Christus, der in der katholischen Kirche lebt und wirkt;  die Sünden vergibt, aus der Sklaverei des Satans befreit, alle geistigen Wunden heilt und vom Tod ins ewige Leben führt.

Verleumdungen und Versuchungen

Der kompromisslose Kampf des Pfarrers von Ars mit allen möglichen Erscheinungsformen der Sünde stieß auf heftigen Widerstand bei einigen Gemeindemitgliedern. Es ist ja ganz natürlich, dass eifrige Seelsorger von den Mächten des Bösen gehasst werden, die jede Möglichkeit nutzen, um diese zu entmutigen und einzuschüchtern. Um dieses Ziel zu erreichen, bedienen sie sich meistens derjenigen Menschen, die ihrem Einfluss unterliegen. In der Gemeinde von Ars begann man zu munkeln, der Pfarrer sein untolerant, viel zu streng und würde sich unnötigerweise in ihr Privatleben einmischen. Die Unzufriedenheit wuchs, vor allem auch deswegen, weil Jean-Marie Vianney vielen Gemeindemitgliedern, die ihr sündiges Leben nicht aufgeben wollten, keine Lossprechung erteilte.

Als Folge der Ermahnungen des Pfarrers gingen die Mädchen aus Ars zu keinen Tanzveranstaltungen mehr, auf denen es zu Ausschweifungen kam. Dies führte zu Wutausbrüchen bei vielen jungen Männern aus Ars und Umgebung. Sie fingen an, Gerüchte auszustreuen, Jean-Marie Vianney würde selber ein ausschweifendes Leben führen, schrieben anonyme Briefe, die voll von Beleidigungen und Verleumdungen waren, hängten Zettel mit ebensolchen Inhalten aus, spielten Katzenmusik vor den Fenstern des Pfarrhauses und gingen sogar soweit zu behaupten, der Pfarrer sei der Vater eines unehelichen Kindes, das ein Mädchen, welches in der Nähe der Pfarrei wohnte, geboren hatte. Zum Ende seines Lebens sagte der Pfarrer von Ars: „Wenn ich im Augenblick meiner Ankunft in Ars gewusst hätte, welche Leiden mich dort erwarten würden, so wäre ich auf der Stelle gestorben.“

Gemeine Gerüchte und Verleumdungen wurden für den Pfarrer von Ars zu einer Quelle unermesslicher geistiger Leiden, sodass er nah dran war, die Gemeinde zu verlassen. Nur ein einziges Argument bewog ihn, doch zu bleiben: Sein Weggehen könnte durch die Verleumder als Beweis für die Wahrheit ihrer Verunglimpfungen benützt werden.

Je mehr er angegriffen wurde, mit desto größerem Vertrauen legte er sich in die Hände Gottes. Aus ganzem Herzen vergab er seinen Feinden und betete um ihre Bekehrung. „Ich ließ es zu, dass man alles möglich über mich sagte, und erreichte so, dass die Menschen endlich schwiegen.“ „Ich dachte“, sagte der Pfarrer von Ars, „dass es soweit kommen würde, dass man mich mit einem Stock aus Ars verjagen würde, der Bischof mich suspendieren und man mich für den Rest meines Lebens ins Gefängnis sperren würde… Doch ich sehe, dass ich solch eine Gnade nicht verdient habe.“

Durch dieses geistige Leiden formte Jesus den Pfarrer von Ars; Er brachte ihn zu solch einer Demut, dass Jean-Marie sich zu freuen begann, wenn man ihn verachtete. Die einzige Antwort des Pfarrers auf jedwede Verleumdung bestand im Schweigen und im Gebet für die Verleumder sowie im Führen eines beispielhaften Lebens.

Der Herr formt den Menschen, indem Er ihn durch geistige Leiden führt, verschiedene Arten von Versuchungen zulässt, ganz besonders die schmerzhaften Versuchungen des Zweifels und der Verzweiflung. Der Pfarrer von Ars erlebte Phasen vollkommener geistiger Dunkelheiten, in denen er ganz stark die Abwesenheit Gottes fühlte. Es war ein unvorstellbares geistiges Leiden, bei dem er glaubte, dass Gott ihn vollständig und für immer verlassen hätte. In dieser Erfahrung hörte er jedoch niemals auf, grenzenlos an Gott zu glauben und Ihm zu vertrauen.

„Wenn man liebt“, sagte er, „dann hört das Leid auf, Leid zu sein. Je mehr du vor dem Kreuz davon läufst, desto stärker drückt es dich nieder… Man muss um die Liebe zu den Kreuzen beten: Dann werden diese süß. Ich selber habe es vier oder fünf Jahre lang erlebt: Man hatte mich schwer verleumdet, sich mir erheblich widersetzt; Gott ist mein Zeuge, dass es mir an Kreuzen nicht gemangelt hat, ich hatte ihrer fast mehr, als ich tragen konnte, doch ich fing an, darum zu beten, dass ich das Leiden lieb gewinne, und fühlte mich glücklich. Ich machte die Erfahrung, dass nur in der Liebe zum Leid das wirkliche Glück zu finden ist… All unser Elend kommt daher, weil wir das Kreuz nicht lieben. (…) Wir tun viel mehr für Gott, wenn wir etwas tun, was uns kein Vergnügen bereitet.“ Der heilige Jean-Marie Vianney macht uns bewusst, dass das Leiden, welches man Gott nicht aufopfert, den Menschen zerstört – deshalb sollten wir jedes unserer Kreuze, jedes geistige und physische Leiden Christus aufopfern, denn nur dann wird es für uns zu einer Quelle von Gnaden und zum göttlichen Segen.

Die heilige Gabe des Weihesakraments

Der Pfarrer von Ars war sich der großen Verantwortung für die Erlösung seiner Gemeinde und aller, die bei ihm seelsorgerischen Rat suchten, bewusst. Er wusste was für ein großes Geschenk das Priestertum, durch das Jesus fortwährend Seine Erlösung vergegenwärtigt, für die Menschen ist. Deshalb führte er den Gläubigen vor Augen, dass das Priestertum ein Sakrament ist, welches alle Menschen betrifft. So sprach er in einer seiner Predigten: „Der Priester ist ein Mensch, der von Gott alle Vollmachten erhalten hat. »Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch«, sagte der Herr zu den ersten Priestern (Johannes 20, 21). »Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!« (Markus 16, 15). »Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab« (Lukas 10, 16). Wenn der Priester euch die Lossprechung erteilt, dann sagt er nicht: »Gott verzeiht dir«, sondern: »Ich vergebe dir deine Sünden«. Bei der Wandlung sagt er nicht: »Das ist der Leib des Herrn«, sondern: »Das ist mein Leib«. Gäbe es das Sakrament der Priesterweihe nicht, dann hätten wir den Herrn nicht unter uns. Wer hat Ihn nämlich in den Tabernakel gestellt? Der Priester. Wer hat eure Seelen in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen, als ihr geboren wurdet? Der Priester. Wer ernährt diese Seelen, damit sie Kraft für den irdischen Pilgerweg haben? Der Priester. Wer bereitet sie vor, damit sie gebadet in Christi Blut vor den Herrn treten können? Der Priester. Immer der Priester. Und wenn die Seele in eine Todsünde fällt, wer erweckt sie dann zum Leben? Wer gibt ihr die Gewissensruhe wieder? Nur der Priester. Ihr werdet kein Gut finden, welches von Gott stammt und hinter dem nicht der Priester steht.

Versucht doch, vor der Muttergottes oder vor einem der Engel zu beichten. Können sie euch die Lossprechung erteilen? Nein. Können sie euch den Leib und das Blut des Herrn geben? Nein. Die Allerheiligste Jungfrau Maria hat nicht die Macht, ihren Sohn in die Hostie zu bringen. Sollten auch 200 Engel vor euch stehen, so haben sie doch nicht die Macht, euch die Sünden zu vergeben. Nur der Priester kann zu euch sagen: »Geh in Frieden, deine Sünden sind dir vergeben.« Das Priestertum ist wirklich eine große Sache. Der Priester wird sich selber erst wirklich im Himmel verstehen. Würden wir schon hier auf Erden verstehen, was das Priestertum ist, so würden wir sterben, aber nicht aus Angst, sondern aus Liebe. (…) Der Priester ist jedoch nicht Priester nur für sich selber. Er kann sich selber keine Lossprechung erteilen. Er kann sich selber keine Sakramente spenden. Der Priester lebt nicht für sich selber, er lebt für euch. (…) Wenn jemand die Religion zerstören möchte, dann greift er zuerst die Priester an, denn dort, wo es keine Priester mehr gibt, gibt es das heilige Messopfer nicht mehr, es gibt keine Gottesverehrung mehr. (…) Das Priestertum ist die Liebe zum Herzen Jesu. Wenn ihr einem Priester begegnet, dann denkt an Jesus.“ Die heilige Gabe des Priestertums legt Jesus in die Herzen der durch Ihn berufenen schwachen und sündigen Menschen. Deshalb ist es von höchster Wichtigkeit, dass die Gläubigen täglich für die Priester beten, damit diese ihrer Berufung treu bleiben und ein Leben in Heiligkeit führen. Über den Fall eines Priesters freuen sich nur der Satan und die Menschen, die durch diesen versklavt sind.

Er entdeckte die Werke des Teufels

Die größten geistigen Werte und den Fortschritt im geistigen Leben erreicht man durch die tägliche Auseinandersetzung mit Versuchungen, Schwächen und Sünden. Der Pfarrer vor Ars wollte von ganzem Herzen den Himmel für sich und seine Gemeinde. Deshalb betete er nicht nur für die Bekehrung der Gemeinde, sondern fastete auch streng, geißelte sich und sühnte in diesem Anliegen. Es war ihm bewusst, dass das größte Unglück für einen Menschen in der Sünde und im Verharren in dieser besteht, denn die letzte Konsequenz der Sünde besteht in der Ablehnung Gottes und in der ewigen Hölle. Deshalb entdeckte er eifrig die Werke Satans, der ja in jeder Versuchung die Sünde auf besonders attraktive Art und Weise als Quelle des Glücks darstellt.

So warnte Pfarrer Vianney seine Gemeindemitglieder: „Die Sünde ist der Schinder Gottes und der Mörder der Seele. Sie reißt uns vom Himmel herab und wirft uns in die Abgründe der Hölle. Und trotzdem haben wir sie gern! Was für ein Wahnsinn! Wäre uns dies wirklich bewusst, so würden wir uns dermaßen vor der Sünde ekeln, dass wir nicht imstande wären, sie zu begehn. (…) Würden wir dann auf ein Kruzifix schauen, wenn wir Gott beleidigen, so hörten wir den Herrn aus der Tiefe Seiner göttliche Seele fragen: »So willst also auch du zu meinen Feinden gehören? Willst du mich wieder kreuzigen?«. Schaut auf den gekreuzigten Herrn und sagt euch: Soviel kostete Ihn die Sühne für die Schmach, die meine Sünden Gott angetan haben. Gott kommt auf die Erde, um sich für meine Sünden zu opfern, Gott leidet, erträgt Seelenqualen und stirbt, denn Er wollte die Strafe für unsere Verbrechen auf sich nehmen. Betrachten wir das Kreuz, dann sehen wir, was für ein großes Übel die Sünde doch ist, und wie sehr wir sie hassen sollten. Schauen wir in uns selber hinein und sehen, was wir tun können, um für die schlechten Taten unseres elenden Lebens Genugtuung leisten zu können.“ Der Pfarrer von Ars veranschaulichte allen Gläubigen, was für eine große geistige Tragödie die Sünde verursacht, erweckte in ihnen die Reue und den Wunsch nach Bekehrung. Er zeigte die Unermesslichkeit der göttlichen Barmherzigkeit, die durch das Beichtsakrament für alle Sünder zugänglich ist. Als Pilger aus Frankreich und ganz Europa zu ihm kamen, um bei ihm zu beichten, war er immer im Beichtstuhl zu ihrer Verfügung. Er hörte oftmals 10 Stunden am Tag die Beichte und bei Bedarf sogar 15 Stunden und mehr. Das war für den Pfarrer von Ars zweifellos das größte Kreuz und die größte Abtötung. Er nahm diese Mühe jedoch mit Freude auf sich, denn es war ihm bewusst, dass auf diese Art und Weise Christus durch seinen Dienst die Sünden vergibt, die Menschen aus der schrecklichen Knechtschaft des Satans reißt und ihnen die Würde der Kinder Gottes wiedergibt. Pfarrer Vianney litt sehr unter der fehlenden Reue bei den Beichtenden. Er sagte: „Ich weine über das, worüber ihr nicht weint.“

Die Gleichgültigen im Glauben erweckte er zur Liebe Gottes, versöhnte große, reuevolle Sünder mit Gott und führte sie später auf den schwierigen Weg der Reife zur Heiligkeit.

Pfarrer Jean-Marie Vianney sorgte sich um das ewige Leben der ihm anvertrauten Menschen und sagte deshalb jeglichen Ausschweifungen und Süchten, die seit vielen Jahren in seiner Gemeinde Wurzeln gefasst hatten, den Kampf an. Den Sünder umgab er mit seinem Mitleid, behandelte ihn wie einen Menschen, dessen Geist erkrankt ist, mit der Sünde selber hatte er jedoch kein Mitgefühl. Bei einer seiner Belehrungen sagte der heilige Pfarrer: „Wenn der Seelsorger sich nicht für Ewigkeiten verdammen will, sollte er rücksichtslos alle Übertretungen in der Gemeinde brandmarken; er sollte dabei alle menschlichen Bedenken und Ängste vor der Verachtung oder dem Hass seitens der Gemeinde mit Füßen treten.“ Der Pfarrer von Ars bat und drohte ohne jegliche Skrupel von der Kanzel herab, er brandmarkte die Arbeit am Sonntag, die Trunkenheit, frivole Tänze, Flüche, unkeusche Lieder und Spiele, die zu den Sünden der Unreinheit führten. Er sagte allen Gastwirten, die die Bevölkerung zur Trunkenheit animierten, den entschiedenen Kampf an und rief mit großer Macht seine Gemeindemitglieder zur Bekehrung und zum Verzicht auf all das, was zur Sünde führt, auf. In kurzer Zeit verschwand der heidnische Brauch der Sonntagsarbeit und alle Schenken mussten schließen, denn die Menschen hörten auf, diese aufzusuchen. So wurde die Hauptursache für das Elend vieler Familien beseitigt.

Die mächtigste Quelle der geistigen Erneuerung

Den Mittelpunkt des geistigen Lebens und der seelsorgerischen Tätigkeit des Pfarrers von Ars bildete der eucharistische Christus. In einer seiner Predigten sagte Jean-Marie Vianney: „Alle guten Werke zusammen genommen sind nicht so viel wert wie eine heilige Messfeier, denn diese sind lediglich menschliche Werke, die Messe ist aber ein Werk Gottes. (…) Auf die Worte des Priesters hin kommt Christus vom Himmel herab und lässt sich in eine kleine Hostie einschließen. Der Vater schaut fortwährend vom Himmel auf den Altar nieder: »Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe« (Matthäus 17, 5). Aufgrund der Verdienste dieses großen Opfers kann der Vater dem Sohn nichts abschlagen. Hätten wir Glauben, so würden wir Gott im Priester so sehen, wie man das Licht durch die Scheibe sieht, wie den mit Wasser vermischten Wein. (…) Nach der Wandlung ist Gott mitten unter uns anwesend, genauso wie Er im Himmel anwesend ist. Wäre uns dies wirklich bewusst, so würden wir vor Liebe sterben. Gott schont uns jedoch und verdeckt dieses Geheimnis vor uns aufgrund unserer Schwäche.

Ein Priester fing an, daran zu zweifeln, ob seine Worte tatsächlich Christus auf den Altar bringen; im selben Augenblick fing die Hostie, die er in den Händen hielt, reichlich zu bluten an, und sickerte ins Messtuch. Würde uns jemand sagen, dass um eine bestimmte Stunde ein Verstorbener aus dem Grabe erstehen soll, so würden wir auf der Stelle dorthin laufen, um ein Wunder zu sehen. Ist aber die Wandlung, bei der Brot und Wein zum Leib und Blut Gottes werden, ein nicht viel größeres Wunder als die Erweckung eines Toten? Man braucht wenigstens eine Viertelstunde, um sich gut auf das Erleben der heiligen Messe vorzubereiten. In dieser Zeit sollte man sich tief vor Gott demütigen, nach dem Beispiel Christi in der Eucharistie; man sollte eine Gewissenserforschung vornehmen, denn wir sollten im Zustand der heilig machenden Gnade sein, um die heilige Messe gut feiern zu können. Wenn wir den Preis der heiligen Messfeier kennen würden – oder vielmehr einen tieferen Glauben hätten – dann würden wir viel eifriger daran teilnehmen.

Könnt ihr euch, Kinder, noch an die Geschichte erinnern, die euch erzählt habe, darüber wie ein heiliger Priester für seinen Freund betete, denn Gott ließ ihn erkennen, dass sein Freund sich im Fegefeuer befindet. Dieser Priester hielt es für das Beste, eine heilige Messe für die Seele seines Freundes aufzuopfern. Im Augenblick der Wandlung nahm er die Hostie in seine Hände und sagte: »Ewiger und Heiliger Vater nehmen wir einen Tausch vor. Du hältst die Seele meines Freundes im Fegfeuer und ich halte den Leib Deines Sohnes in meinen Händen. Befreie meinen Freund und ich opfere Dir Deinen Sohn mitsamt all den Verdiensten Seines Leidens und Seines Todes auf«. Und wirklich: Als er die Hostie emporhob, sah er die Seele seines Freundes, wie sie in den Strahlen der Glorie in den Himmel einging. Wenn wir Gott um etwas bitten möchten, dann sollten wir es genauso machen. Opfern wir nach der heiligen Kommunion dem Vater Seinen geliebten Sohn mit all den Verdiensten Seines Leidens und Todes auf und Gott wird uns nichts abschlagen können.“

Jean-Marie Vianney sagte, die „heilige Kommunion und das heilige Messopfer sind die wirksamsten Wege, um eine Wandlung des Herzens zu erreichen“. Die heilige Messe war für ihn eine große Freude und das wichtigste Ereignis eines jeden Tages. Trotz sehr vieler Aufgaben bereitete er sich auf diese mindestens 15 Minuten lang vor. Er zelebrierte die heilige Messe mit großer Andacht, denn er meinte: „Die Ursache für den Fall eines Priesters liegt in fehlender Andacht bei der Feier des heiligen Messopfers!“

Für den Pfarrer von Ars bildete die dauernde Anwesenheit Christi in der Eucharistie das geistige Zentrum der Pfarrgemeinde. Am frühen Morgen oder am Abend betete er stundenlang den im Allerheiligsten Sakrament verborgenen Jesus an. Während der Predigt zeigte er oft auf den Tabernakel und sagte mit Rührung: „Er ist dort!“ Die Haltung und die Lehre des Pfarrers bewirkten, dass die Gemeindemitglieder anfingen, vor dem Allerheiligsten Sakrament zu beten und die Kirche auch werktags, und nicht nur am Sonntag, aufzusuchen.

Der Heilige von Ars wusste, dass der in der Eucharistie anwesende Christus die mächtigste Quelle der geistigen Erneuerung seiner Gemeinde darstellt. Deshalb sammelte er bereits zu Beginn seiner seelsorgerischen Tätigkeit in Ars eine Gruppe von Menschen um sich, die zusammen mit ihm jeden Tag die heilige Messe feierte und Jesus in der Eucharistie anbetete. Noch vor dem Ansturm der Pilger gab es in der Kirche von Ars immer Personen, die das Allerheiligste Sakrament anbeteten. Pfarrer Vianney lehrte diese Menschen, bei der Anbetung nicht viel zu sprechen und vielmehr mit Freude in der Anwesenheit des Herrn zu verharren.

Er selber erzählte das folgende rührende Ereignis: „Ludwig Chaffangeon, ein Bauer aus meiner Gemeinde, ließ am frühen Morgen, noch bevor er sich an die Arbeit auf dem Feld begab, seine Hacke vor der Kirchentür und kam hinein, um zu beten. Er vertiefte sich dermaßen in das Gebet, dass er die Zeit vergaß. Sein Nachbar, der unweit arbeitete, wunderte sich sehr, dass Ludwig an diesem Tag nicht auf dem Feld arbeitete. Als er nach getaner Arbeit nach Hause zurückkehrte, sah er die Hacke vor der Kirchentür; er ging für einen Augenblick hinein und sah mit Verwunderung, dass Ludwig mit großer Andacht vor dem Tabernakel betete. Er fragte diesen: «Was machst du hier so lange?« Ludwig antwortete ihm schlicht: »Ich schaue auf den Herrn und der Herr schaut auf mich…«. Diese einfachen Worte beinhalten das Wesentliche am Umgang mit Gott“, sagte mit Tränen in den Augen der Pfarrer von Ars.

P. M. Piotrowski

E-Abonnieren

Wenn Sie eine PDF-Nummer herunterladen möchten:

  • Anmeldung, Wenn Sie unser Kunde sind und unsere Zeitschrift e-abonnieren
  • E-Abonnieren, Wenn Sie das noch nicht gemacht haben




Veröffentlicht mit Zustimmung des "Liebt einander!" im Januar 2016.



Lesen Sie mehr Christian Artikel (Deutsch)


Top



Empfehlen Sie diese Seite einem Freund!

Siehe auch